In den USA ist seit Sommer 06 ein kontinuerlicher Rückgang bei den Werbeeinnahmen der tradtionellen Verlage beobachtbar. Auch 2008 folgt diesem Trend. Experten sprechen von Rückgangen von 15-20% pro Quartal. Die New York Times nahm in Folge dieser Entwicklung eine Wertberichtigung von 166 Mio. $ vor.
Dieser Trend folgt einem anderen: Der kontinuierlichen Abwanderung der LeserInnen ins Netz. Für 2009 wird von einem Gesamtrückgang der Werbeeinnahmen um 3,6% ausgegangen. D.h. die großen Verlage müssen ihre Geschäftsmodelle den neuen Gegebenheiten anpassen.
Eine der ersten und beliebtesten Reaktionen ist: Stellenabbau. Allein 2008 wurden bei amerikanischen Zeitungen 15.000 Stellen gestrichen. Dem Stellenabbau entgegen gehalten wird naturgemäß der Hinweis auf die Qualität: Weniger MitarbeiterInnen bedeutet Qualitätsverlust, was wiederum LeserInnenverlust zur Folge hat (Todesspirale der Zeitungen).
Das heißt: Generelleres Umdenken ist notwendig!
Hier wird dann naturgemäß das Optimierungsalphabet bemüht - beispielsweise von Synergien gesprochen, beispielsweise in Vertriebsallianzen oder Zusammenlegung von Online-Vermarktungsgesellschaften etc. Nunja, für vergleichweise spannender halte ich in dem Zusammhang allerdings das gute alte "Kerngeschäftsdiktum", salopp gesprochen: "cover what you do best, link to the rest", was wiederum unweigerlich zur Folge hat - Content-Kooperationen sind überall dort notwendig, wo ich selbst nicht mein Kerngeschäft sehe. Wenn ich also bspw. eine regionale Zeitung vertreibe, würde ich mich demnach komplett auf die Erstellung der regionalen Berichterstattung zurückziehen und die nationalen bzw. internationalen Artikel über Kooperationen hinzufügen. Was für das Offline Produkt Zeitung ja zumeist gängige Praxis ist (Stichwort Nachrichtenagenturen) - allerdings im Internet noch eher widerwillig gelebt wird. Da wird dann gern gesagt: Die Konkurrenz ist nur einen Klick entfernt und es sei ja sprichwörtlich dumm, selbige dann noch auf dem eigenen Produkt via Link zu Featuren. Tja, dann sollte einem spätestens klar sein, dass derjenige der obiges von sich gegeben hat, eine grundlege Lektion im Internet nicht begriffen hat - nämlich, dass die Qualität meines Angebots auf Grund der Verlinkung ebenfalls steigt. Klar von Vermarkterseite zählen nur die Zugriffe, die sogenannten Eyeballs - um selbige allerdings zu kriegen, ist ein guter Pagerank bei Google (und bei allen anderen relevanten Suchmaschinen) unerlässlich. Und der richtet sich wiederum - richtig: Nach der Anzahl der qualitativ hochwertigen Verlinkungen. Und qualitativ hochwertig ist eine Verlinkung dann, wenn von jemandem gelinkt wird, auf den selbst wiederum gerne verlinkt wird - und so weiter und so fort...
Übrigens: Die LA Times betreiben in etwa 40 Blogs auf ihrer Website und bekommen mehr als 16% der Zugriffe über selbige...
der kurier, dem auch die Werbeeinnahmen zusehens eingehen, bringt gerade jetzt eine neue TV Beilage und möchte noch vor dem Sommer eine neue Sonntagsbeilage bringen. Hört sich nicht so an, als würde man sich hier von der "Krise" vorführen lassen. Nein, das ist eher eine offensive Strategie.
Was mich wieder nachdenklich stimmt ist die folgende Aussage: „Es gibt kein Geschäftsmodell, nach dem Online wirklich ertragreich ist. Wer das erfindet, ist Weltmeister.“
Welche Geschäftsmodelle uns hier wohl in Zukunft um die Ohren fliegen werden?
Der Artikel: http://diepresse.com/home/kultur/medien/457863/index.do
lg,
Stefan